Unpolitisches Olympia –ein kurzer Kommentar

Wie kommt man auf die Idee, dass Politik bei den olympischen Spielen oder anderen sportlichen Veranstaltungen nichts zu suchen hätte?

Internationale Großveranstaltungen bei denen Nationen gegeneinander antreten.

Wer schon allein die Existenz von Nationen voraussetzt, definiert was eine Nation ist und festlegt welche Nationen existieren, übt politische Macht über andere aus.

Wenn dann noch medial einige Nationen (nur per Vorurteil) des Betruges bezichtigt werden, an muslimischen Sportlerinnen das Kopftuch und nicht ihre Leistungen interessant sind, Damen-Disziplinen nur als „Randsportart“ geführt werden, „Sportler“ bei den Damendisziplinen antreten und Angela Merkel beschuldigt wird erstens nicht vor Ort zu sein und dann auch in alter Pegida-Manier als undifferenziertes Hassobjekt für angebliches Versagen angeführt wird, wie ist es da möglich von einer unpolitischen Veranstaltung zu sprechen?

Das kann man man jetzt doof finden oder negieren wollen, die positiven oder die negativen Seiten sehen, aber Veranstaltungen, bei der Menschen(gruppen) gegeneinander antreten, werden immer politisch sein.

Der Naziproll – ein dankbares Opfer II

Vor fast einem Jahr schrieb ich für die Freitag Community einen Artikel mit dem Titel „Der Naziproll – ein dankbares Opfer“. Ein paar Dinge müssen korrigiert werden.

Was mein Artikel von damals nicht bedenkt und vernachlässigt, sind die institutionalisierten und kulturell verankerten Diskriminierungen als Ursache.
Wer sich ungerecht behandelt fühlt, will die Verhältnisse für alle ändern. Wer neidisch ist, ist auch neidisch auf den Flachbildfernseher seines weißen männlichen Nachbarn.
Die Entwicklung des Hasses auf bestimmte Gruppen, ist nicht nur sozialer Ungleichheit zuzuschreiben, sondern auch den permanent anwesenden Normalisierungen und Diskriminierungen in der Kultur, die in allen Schichten gebildet wird.

Schuld ist eine Kultur, von der auch ich ein Teil bin. Eine Kultur, deren Normalismus und resultierende Diskriminierungen so tief geht, dass auch bei mir Schaumküsse in meiner Kindheit einen anderen Namen trugen, „schwul“ und „weiblich“ auf dem Pausenhof und im Sport negative Adjektive waren und bis heute in meinem Kopf meine erste Assoziation mit Flitterwochen eine Ehe zwischen „Mann“ und „Frau“ ist.

Wir sind nicht nur in einer Populärkultur des Klassismus aufgewachsen, sondern eben auch in einer Populärkultur des Rassismus, des Sexismus, des Normalismus, des Nationalismus, des Antisemitismus und des Orientalismus.
AfD, Trump, AKP und Front National sind Produkte dessen.

Man macht es sich sehr leicht, wenn man die AfD als Protestpartei abstempeln, doch ist dieser Schritt sehr unpolitisch. Der wichtigste Punkt, in dem sich die AfD von den anderen Parteien im öffentlichen Diskurs unterscheidet ist, dass sie klar und ganz offen rassistische und sexistische Ziele anspricht. Niemand kann mit den Zielen der AfD sympathisieren ohne Rassist*in oder Sexist*in zu sein, auch wenn diese Person selbst sich dessen nicht bewusst sein muss.

Die soziale Ungleichheit mag Auslöser oder Teil des Problems sein. Doch ohne, dass wir Diskriminierungen aus den Köpfen verbannen und zwar in allen Schichten, werden wir das Problem des Rechtsrucks nicht lösen können.

Damit soll nicht eine von oben aufdiktierte „politische Korrektheit“ gemeint sein, die ein sprachliches Mäntelchen über weiter bestehende Diskriminierungen legt. Die Veränderung der Sprache kann erst ein Ausdruck eines freiwilligen Umdenkens im Kopf sein.
Nur durch unsere starken Werte der Toleranz, des Pluralismus und die Vermittlung der Gleichwertigkeit aller Menschen können wir dieses Ziel erreichen.

Der Appell an den inneren Antrieb des Menschen: eine Welt zu wollen, die in jeder Rolle lebenswert ist. Eine Welt zu wollen, in der man sich bewusst ist, dass man jederzeit in die Position der anderen Person oder des nicht „normalen“ gelangen könnte, ist für diesen Kampf gegen die Diskriminierungen des „unnormalen“ Anderen unabdingbar. Auf der anderen Seite kommen wir nicht daran vorbei, Diskriminierung offen anzusprechen. Egal wie groß die Hürden im ersten Moment zu sein scheinen. Niemand mag freiwillig die Ressourcen für einen Streit oder Unruhe aufbringen. Niemand will als Moralapostel oder „politisch korrekte“ Spaßbremse gesehen werden. Doch die allgegenwärtige Diskriminierung muss angesprochen werden, um sie sichtbar zu machen – online oder offline. Langfristig ist der Nutzen durch die nachhaltige Etablierung dieser Werte wesentlich größer, als unser kleiner Einsatz.

Mit dieser Einsicht können wir alle gemeinsam feststellen, welche Diskriminierungen noch in unseren Kulturen stecken und diese langfristig in unserem eigenen Sinne bekämpfen.