Die stille Allianz mit Faschist*innen – Abschwächungen des Faschismusbegriffs

Im Zuge einer meiner Arbeiten, konnte ich mich vertieft in den Begriff des Faschismus‘ einarbeiten. In den aktuellen Debatten fällt immer wieder auf, dass der Begriff als Reizwort dient, um polemisch zuzuspitzen.

Linke und Liberale verwenden ihn für konservative Strömungen, um diese ohne weitere Begründung zu stigmatisieren, selbst wenn es gute Begründungen für Kritik gibt. Neurechte und Konservative verwenden ihn für öko-soziale Strömungen, um diese erstens zu stigmatisieren, zweitens den Faschismus des dritten Reiches zu verharmlosen.

Beide Verwendungen verharmlosen gewollt oder ungewollt die faschistischen Strömungen des 20. und 21. Jahrhunderts und damit auch die Opfer dieser Ideologien. Ideologien können menschenfeindlich, nationalistisch, diktatorisch oder sexistisch sein ohne zwingend faschistisch zu sein. Wer den Begriff inflationär verwendet, geht eine stille Allianz mit den echten Faschist*innen ein, die ein Interesse daran haben, dass die Durchschlagskraft des Begriffs abgeschwächt wird.

Auf der anderen Seite darf die Durchschlagskraft des Begriffs nicht davor abschrecken, ihn zu verwenden, wenn sich Ideologien in die Definition der faschistischen Ideologie und damit im Sinne der Kriterien einordnen lassen. Im aktuellen Forschungsstand gilt Matthew Lyons‘ Theorie als maßgeblich für einen definierenden Faschismusbegriff. Aus seiner Definition habe ich sechs Kriterien (von insgesamt acht) herausgezogen, die mindestens erfüllt sein müssen, wenn man es mit Faschismus zu tun hat. Dass dieser Begriff noch heute Anwendung finden muss, zeigt die Analyse des Soziologen Andreas Kemper. Dort beweist er, dass sich Zitate von Björn Höcke in den Begriff des Faschismus einordnen lassen.

Meine Arbeit zum Faschismus in Ägypten und die Auflistung der Kriterien gibt es hier: https://www.academia.edu/32188252/Europ%C3%A4ische_Ideologien_in_%C3%84gypten_Na%C7%A7%C4%ABb_Ma%E1%B8%A5f%C5%AB%E1%BA%93s_Roman_%CA%BFaiba%E1%B9%AF_l-%CA%BEaqd%C4%81r_als_Produkt_einer_faschistischen_Ideologie

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Unpolitisches Olympia –ein kurzer Kommentar

Wie kommt man auf die Idee, dass Politik bei den olympischen Spielen oder anderen sportlichen Veranstaltungen nichts zu suchen hätte?

Internationale Großveranstaltungen bei denen Nationen gegeneinander antreten.

Wer schon allein die Existenz von Nationen voraussetzt, definiert was eine Nation ist und festlegt welche Nationen existieren, übt politische Macht über andere aus.

Wenn dann noch medial einige Nationen (nur per Vorurteil) des Betruges bezichtigt werden, an muslimischen Sportlerinnen das Kopftuch und nicht ihre Leistungen interessant sind, Damen-Disziplinen nur als „Randsportart“ geführt werden, „Sportler“ bei den Damendisziplinen antreten und Angela Merkel beschuldigt wird erstens nicht vor Ort zu sein und dann auch in alter Pegida-Manier als undifferenziertes Hassobjekt für angebliches Versagen angeführt wird, wie ist es da möglich von einer unpolitischen Veranstaltung zu sprechen?

Das kann man man jetzt doof finden oder negieren wollen, die positiven oder die negativen Seiten sehen, aber Veranstaltungen, bei der Menschen(gruppen) gegeneinander antreten, werden immer politisch sein.

Tod durch EU

Es ist ein bisschen erschreckend: vor ein paar Tagen griff ich hier, Jakob Augsteins Forderung nach einem positiven Populismus auf. Kurze Zeit später haben wir ihn dann– in Form eines Bildes, das abstoßend ist und auch für mich so falsch wirkt, um es als Werbemittel für eine Zeitung zu verwenden.

Und doch funktioniert es, die ersten Facebook-Freundinnen und -Freunde, die sonst durch ihre Forderungen vielleicht indirekt, allerdings um so aktiver für ein Ertrinken von Vertriebenen, Flüchtenden und auch der gezeigten Familie einstanden, zeigen Mitgefühl. Zum ersten Mal scheinen sie zu verstehen, was ihre Ideologien der Abschottung wirklich bedeuten.

Doch statt die gewonnenen Einsichten und Mitgefühle zu nutzen, diskutieren wir, ob das Bild gezeigt werden, beziehungsweise sogar als Titelblatt benutzt werden sollte. Verschwenden wir nicht mit dieser sinnlosen Debatte Zeit und Energie.

Die Argumente sind so vielschichtig, dass eine schnelle, überlegte Antwort wohl nicht möglich ist.

Das Bild wurde nun sowieso schon gezeigt und als Titelblatt auf Zeitungen und als Like-Fänger in sozialen Netzwerken missbraucht. Diese schnelle Verbreitung bewegte allerdings auch etwas in vielen Köpfen.

Nutzen wir diese Energie, die es ohne Zweifel freigesetzt hat.

Hoş Geldiniz, أهلا وسهلا und Willkommen

Lange habe ich mich dagegen gewehrt, jetzt kommt er doch: ein Blog.

Auch wenn ich das Betreiben eines Blogs häufig für ein Privatvergnügen von Menschen mit Napoleon- Komplex halte, glaube ich gerade daran, dass es eine Alternative zu überlangen Facebook- Posts und genervten Facebook- Freunds ist.

Vielleicht ist es ja ein besseres Mittel zum Erreichen derer, die sich den Gedanken tatsächlich öffnen wollen und nicht eigentlich nur auf der Suche nach leckeren Essens- Bildern, süßen Paar- Fotos, Facebook- Spielen und der nächsten ausartenden Online- Diskussion sind.

Um in Zukunft mehr Freiheiten in der Formulierung zu haben und gleich einmal die Möglichkeiten eines Blogs parallel von Facebook zu nutzen, werde ich die Vorschläge der gerechten Sprache von Luise F. Pusch nutzen, obwohl diese (wahrscheinlich noch) etwas ungewohnt wirken.

aus dem Vortrag:
„Sprache, Ungleichheit und Unfreiheit“
Redner: Anatol Stefanowitsch https://www.youtube.com/watch?v=pQiA8XymmKM&feature=youtu.be

So long!…

Nachtrag 17.12.2014: Da ich einige Zusammenhänge für zu kompliziert halte um eine ungewohnte, sprachliche Modulation zu verwenden, werde ich vorerst ohne den Vorschlag von Frau Pusch arbeiten.