Dresdner Gesetze

Im Juni stehen in Dresden Wahlen an. Da über die Kandidatin Tatjana Festerling (auf ihrer Homepage ist nicht eine politische Aussage zu finden) nicht viel bekannt ist, außer dass sie aus dem Milieu von PEGIDA kommt, lohnt es wahrscheinlich sich doch einmal, die für mich bemerkenswertesten Punkte des letzten veröffentlichten Dokuments von PEGIDA genauer anzuschauen.

Am 15.02.2015 veröffentlichte PEGIDA die Dresdner Thesen, ähnlich wie das Vorgängerwerk enthält auch dieses Papier wenig konkrete Aussagen, doch relativ klare Unterstützung für bestehende Ressentiments und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.
Ich möchte das Originaldokument aus verschiedenen Gründen hier nicht verlinken, es ist online schnell auffindbar und eine Kenntnis ist zum Verständnis dieses Artikels nicht notwendig, die betreffenden Stellen werden zitiert.

zur Einleitung:
PEGIDA bezeichnet sich als eine „ideologiefreie“ Bewegung. Natürlich kann keine Bewegung tatsächlich frei von Ideologien sein, hinter jeder politischen Aussage steht immer eine Ideologie. Eine politische Bewegung ist schon (hoffentlich) allein durch die Verfassung an bestimmte Ideologien gebunden. Dieser Terminus der Ideologiefreiheit wird in vielen extremen Strömungen verwendet, in der die eigene subjektive Weltsicht im verblendeten Glauben an diese gern ausgeblendet wird.

Im Folgenden noch ein paar willkürliche Behauptungen, die zwar bestehende Klischees unterstützen, die trotz unkonkreter Formulierungen Ressentiments schüren:

„stetig wachsende Parallelgesellschaften“-  Bei dieser Aussage drängen sich folgende Fragen auf: Ab wann ist eine Gesellschaft nach PEGIDA eine Parallelgesellschaft? Wo wachsen diese stetig? Was wären die Punkte, die gegen verschiedene Gesellschaften in einem Staatsgebiet sprechen? Was wäre der richtige Weg? Gibt es den einen richtigen Weg?

Diese Parallelgesellschaften nun „beunruhigen [laut PEGIDA] die Menschen“. Hier finden wir die Anmaßung der Allgemeingültigkeit, die uns von PEGIDA durch „Wir sind das Volk“- Rufe und den verwendeten Terminus des ‚Ideologiebefreiten‘ schon bekannt sind. Nur weil diese, laut Umfragen, wahrscheinlich kleine Minderheit Angst vor angeblichen Entwicklungen hat, hat dies nichts mit den „Menschen“ zutun. Auch wenn die PEGIDA- Bewegung Rückhalt von einer Mehrheit in der deutschen Bevölkerung  hätte, bliebe es eine Teilmenge und weder „das Volk“ noch „die Menschen“

„1. [1.1] Schutz, Erhalt und respektvoller Umgang mit unserer Kultur und Sprache. [1.2] Stopp dem politischen oder religiösen Fanatismus, Radikalismus, [1.3] der Islamisierung, [1.4] der Genderisierung und der Frühsexualisierung. Erhalt der sexuellen Selbstbestimmung.“

Hier sind wir schon mitten in diesem Wirrwarr von ungenauen Äußerungen und Ressentiments. Auf der einen Seite geben sie durch die unklaren und ungenauen Formulierungen wenig Möglichkeit zur konkreten Diskussion. Auf der anderen Seite unterstützen sie Vorurteile durch die bloßen Formulierungen. Ich versuche sie im Folgenden ein wenig zu strukturieren.

Bei 1.1 wäre nun die klare Frage, die sich wahrscheinlich jedem Menschen stellt, wo die Verfasser*innen diesen respektvollen Umgang mit [der] Kultur eingeschränkt sehen. Scheinbar sehen sie ihn irgendwo eingeschränkt. Nur wo? Auch ist nicht klar wie ‚unsere‘ Kultur definiert ist. Unsere Kultur ist bekanntlich ein Amalgam aus Kulturen und auch nicht genau fass- und abgrenzbar. Wie sollen wir etwas schützen, was nicht klar fassbar ist und wovor schützen wir sie?

1.2 Wie definiert PEGIDA politischen und religiösen Fanatismus und wie Radikalismus und wie grenzen sie diese Begriffe von ihrer eigenen Strömung ab. Einer Minderheit, die sich als unideologisch bezeichnet und als Mehrheit insziniert.

1.3 neben der oben schon erwähnten Frage zur Definition, könnte man hier eine Andeutung in Richtung Islamfeindlichkeit sehen. Obwohl Punkt 1.2 zwar vor allen radikalen Strömungen warnte, muss der Islamismus noch einmal explizit betont werden. Islamismus spielt zwar in Deutschland statistisch keine große Rolle, doch das Feindbild ist scheinbar so klar fassbar und muss nur bereits bestehende Ressentiments aufgreifen.

1.4 der für mich undurchsichtigste Abschnitt in Punkt eins: Was ist die ‚Genderisierung‘? Auch wenn ich diesen Begriff nicht klar einordnen kann, würde ich ihn jetzt in diesen merkwürdigen Protest gegenüber der rechtlichen, politischen, sozialen und gesellschaftlichen Gleichberechtigung aller Menschen (ohne Bewertung nach Geschlecht) einordnen.
An dieser Stelle ist es besonders interessant zu fragen, wie das konkret gemeint ist:
Liegt die Kritik bei der Idee der Gleichwertigkeit aller Menschen?
Liegt die Kritik dem Fakt zugrunde, dass diese Bestrebungen Hand in Hand mit den neusten Erkenntnissen aus der Forschung einhergehen?
Wenn dem so wäre, ist die Frage, handelt es sich um eine Kritik an der Wissenschaft im allgemeinen? Wären in diesem Fall die Verfasser*innen nicht mit den Methoden oder den Erklärungsmodellen der Gender- Forschung, der Biologie, der Psychologie und der Linguistik in den betreffenden Gebieten zufrieden? Gibt es bessere? Ist PEGIDA der Meinung, dass ein Geschlecht höherwertiger als die anderen sei? Soll sich die Politik im Allgemeinen nicht mehr der Erkenntnisse der Wissenschaft bedienen oder gilt dies nur im Fall der geschlechtlichen Gleichberechtigung, beziehungsweise anderen Themen, bei denen die Erkenntnisse nicht den eigenen politischen Überzeugungen entsprechen?

„2. Schaffung und strikte Umsetzung eines Zuwanderungsgesetzes nach demographischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gesichtspunkten. Qualitative Zuwanderung ([2.1] anstatt momentan gängiger quantitativer Masseneinwanderung) nach schweizerischem oder kanadischem Vorbild.“

Punkt zwei ist relativ unmissverständlich formuliert, auch wenn er in meinen Augen moralisch sehr bedenklich ist. Gerade die kanadische Einwanderungspolitik ist nach meiner Beurteilung nur auf Basis von rassistischen oder ethnopluralistischen Theorien als Vorschlag möglich. In jedem Fall müssten wir in Kauf nehmen, dass wirtschaftliche Interessen über moralische Argumente gestellt werden.
Warum diese Überlegungen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu menschenfeindlichen Handlungen führen, werde ich in einem folgenden Artikel beleuchten [Aktualisiert: inzwischen hier].

Punkt 2.1 bedürfe wohl eines Beweises. „Masseneinwanderung“ sagt sich immer so leicht, wie diese in der Tat gemeint ist, wie Einwanderung überhaupt definiert ist, warum dies negativ bewertet werden sollte, bleibt wie häufig unbeantwortet.

„3. Dezentrale Unterbringung von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten, entsprechend der kommunalen Möglichkeiten und der Sozialprognose des Asylbewerbers. Verkürzung der Bearbeitungszeiten von Asylanträgen nach holländischem Vorbild und sofortige Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern. [3.1] Aufnahme eines Rechtes auf und der Pflicht zur Integration ins Grundgesetz.“

Hier ist vor allem Punkt 3.1 interessant. Eine Integration wird gefordert, klar wird nicht formuliert wer worein integriert werden soll. Ich gehe jetzt davon aus, dass sich diese Idee in ethnopluralistische Überlegungen eingliedert. Ein Modell in dem jede Kultur einen bestimmten, angestammten Platz hat, von dem sie sich nicht bewegen kann. Nach dieser Überlegung geht es scheinbar darum, dass die minderwertige(?) Kultur sich der ‚deutschen‘ Kultur unterzuordnen hat. Ohne eine unterschiedliche Wertung der Qualität dieser Kulturen und einem gewissen Chauvinismus, gäbe es für diese Vorstellung wohl keine Begründung.

„6. Konsequente Rechtsanwendung, ohne Rücksicht auf politische, ethnische, kulturelle oder religiöse Aspekte des Betroffenen.“

Auch hier bleibt wohl offen, wo der Autor oder die Autorin diese „konsequente Rechtsanwendung“ nicht sieht. Dieser Absatz erschwert übrigens erheblich die oben genannten Punkte, bei denen PEGIDA die Rechte für Migrant*innen beispielsweise ihre Kultur frei auszuleben, da hier Recht nicht mehr in unterschiedlichem Maße nach ethnischer Herkunft gemessen werden darf. Auch der wiederkehrende Ruf nach „Abschiebung krimineller ‚Nicht- Deutscher‘ “ wäre mit diesem Punkt ausgehebelt, da hier genau dies verlangt wird. Ein anderes Strafmaß nach ethnischer oder ‚biologischer‘ Herkunft.

Dies waren nur die dramatischsten Punkte der Dresdner Thesen. Natürlich sind auch die anderen nicht unbedingt klar formuliert und könnten unter Umständen mit dem Grundgesetz in Konflikt geraten.

Wie man auch sieht, wären einige der Punkte womöglich sogar für einen demokratischen Diskurs geeignet, wenn sie genauer oder ohne mitschwingende Xenophobie formuliert wären.
Dass Bemühung, ohne Bedienung von Ressentiments oder Diskriminierung, wenig mit einer diktierten „politischen Korrektheit“ zutun hat, sondern als Bestrebung jedes einzelnen Teils dieser Gesellschaft wünschenswert wäre, mit Formulierungen möglichst wenig oder vielleicht sogar keine Menschen zu diskriminieren, ist inzwischen wahrscheinlich bei dem oder der Letzten angekommen, der oder die das Grundgesetz als Teil seiner Kultur anerkennt und würdigt.

Klar bleibt, wer eine Repräsentantin dieser Bewegung wählt, wählt auch diese mitschwingende, angedeutete: Xenophobie, Islamhass, Bestrebungen gegen die Betrachtung aller Menschen (in den Beispielen: Geschlecht, Religion, Kultur) als gleichwertig und der wohl größte Punkt eigentlich keine genauen Wahlinhalte, sondern eben nur einen Ausdruck der oben genannten, ausgedrückten Andeutungen.

Erwähnt sollte wahrscheinlich auch werden, dass die NPD Dresden beschlossen hat keine*n eigene*n Kandidat*en zur Wahl zu stellen, sondern gab die Wahlempfehlung zu Tatjana Festerling.

Hoffen wir, dass die Toleranz und nicht der Hass diese Wahl gewinnen wird…

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Einheit ist gut, Vielfalt ist besser

Der Mythos von der Reinheit einer Kultur

Viele moderne, radikale ideologische Strömungen fallen durch ihren Anspruch auf die Reinhaltung einer bestimmten Identität oder dem Teil einer Identität auf.

Was ist an dieser Vorstellung so schwierig?

In den Kulturwissenschaften gehen wir davon aus, dass Kulturen immer Amalgame verschiedener Kulturteile sind und in einem Komplex aus Völkerbewegungen, kulturellen Entwicklungen und Migration von Individuen unter einer kontinuierlichen Beeinflussung stehen.

Zu so einer Beeinflussung der Kultur bedarf es immer der Mitarbeit zweier Seiten. Eine Partei muss beeinflussend wirken und die Andere muss die Beeinflussung auch zulassen, um so einen Einfluss nachhaltig in einer Kultur zu etablieren.

Beispiele einer beeinflussten Kultur aus dem Alltag:

religiöse Beispiele:

  • Die Organisation „Islamischer Staat“ strebt eine Rückkehr zu einem angeblich ursprünglichen Islam an. Was von den Initiierenden dabei meist vergessen wird, ist das selbst dieser Ausgangspunkt schon einer Bandbreite von äußeren Einflüssen ausgesetzt gewesen wäre und sich nicht nur als typisch islamisch bezeichnen ließe. Denken wir an die Einflüsse aus früheren altarabischen Religionen: unter anderem Mekka als heiligen Ort, das Verbot vom Alkoholgenuss, das schon zu Zeiten der römischen Herrschaft über die Provinz „Arabien“ belegt ist oder die große Zahl von religiösen Überschneidungen mit Tanach und Bibel.
  • Ein weiteres Beispiel aus dem Islam wäre die Strömung des Sufismus. Sie ist stark von christlich- asketischen und buddhistischen Einflüssen geprägt, trotzdem wird sie in der Mehrheit der mir bekannten Texte ohne Zweifel als muslimische Strömung bezeichnet.
  • Von liberalen, muslimischen Apologet*innen und Islamwissenschaftler*innen wird gern behauptet, dass Homophobie nicht islamisch sei, da sie vor dem Import aus dem viktorianischen Westen nicht nachweisbar sei.
    Im Gegenteil, uns ist aus einer Vielzahl von Quellen bekannt, dass homoerotische Literatur an herrschaftlichen Höfen sogar verbreitet war.
    Dieser Fakt ist zwar historisch nicht von der Hand zu weisen, trotzdem ist auch Homophobie heutzutage in einigen Regionen leider Teil des gelebten Islam. Ob dieser Teil der Religion nun unter einem äußeren Einfluss oder autark entstanden sei, ist vielleicht aus historischer Perspektive interessant, sagt allerdings nichts über seinen Stellenwert im Islam aus.

Doch auch auf der Ebene nationalistischer Ideologien begegnet uns dieses Phänomen.
Ein Beispiel wäre die Theorie von der angestrebten Reinhaltung der Sprache.
In diesem Zusammenhang gibt es einige Bestrebungen, in der eine angenommene ‚Ursprache‘ als Konsens gewählt und ein Versuch unternommen wird, diese nun isolierte Sprache jeglichen Einflüssen zu entziehen.
Vereinbar sind diese Vorstellungen vor allem mit nationalistischen Theorien, auch für diese eine reine ‚Urkultur‘ von Nöten ist und häufig mit dem scheinbar nationalen Element, Sprache, verknüpft wird.

  • Ein Beispiel ist der Sprachpurismus, der immer mal wieder belebt wird, zumindest ließe er sich nur aus nationalistischer Sicht begründen. Außer, dass ich in NPD- Kreisen immer häufiger ernst gemeint „Gesichts- Buch“ oder „Weltnetz“ lesen darf, sehe ich darin nicht wirklich einen großen Nutzen.
  • Man kann diese Bestrebungen zur angeblichen Reinhaltung der Sprache auch an der Verweigerungen vor Bestrebungen zur Entwicklung einer geschlechtergerechten Sprache sehen. Einige Menschen argumentieren hier auch mit der Idee, man könne die Sprach, so wie sie besteht, nicht modulieren oder man würde sie in ihrer angeblichen Reinform zerstören. Wo diese Reinform liegen soll und wer diese für die einzig Wahre erklärt, ist nicht ganz offensichtlich. Dieses Argument ist auch durch den Vorschlag, statt geschlechtlich eindeutigen Formen das substantivierte Partizip (Studenten ⇒ Studierende) zu verwenden, ausgehebelt worden, da diese sich nach existierenden Regeln der Grammatik ohne Probleme richtet und die Struktur der Sprache nicht verändert.
  • Ein letztes Beispiel, bei dem die Bestrebungen zur Reinhaltung für mich sehr deutlich werden ist die „Genitiv- Dativ Diskussion“.
    Seit vielen Jahren entwickelt sich die Deutsche Sprache zu einer Vernachlässigung des Genitivs hin. Obwohl es sich um eine übliche und alltägliche Sprachentwicklung handelt, haben es einige populärwissenschaftliche Werke mit diesem Thema sogar in die Bestseller- Liste des Spiegels geschafft.
    Warum es ausgerechnet diese Entwicklung zu so einem starken, wahrscheinlich nationalistischen (?) Symbol geschafft hat, ist mir nicht offensichtlich. Andere Phänomene, wie die Vernachlässigung des Futurs oder des Konjunktivs, sind gar keine Themen.
    Vielleicht ist das Gefühl der Überlegenheit gegenüber ‚dem Fremden‘ besonders groß, um so komplizierter ein grammatisches Konstrukt für Nicht- Muttersprachler*innen zu erlernen ist?Der positive Aspekt an dieser Genitiv- Entwicklung ist, dass die Deutsche Sprache zum Erlernen wieder ein großes Stück logischer wird und trotzdem keine Probleme beim Verständnis aufkommen. Zu diesem Zweck gibt es (aus Sprachwissenschaftlicher Sicht) keine Berechtigung für spezielle Genitiv- Verben und Präpositionen.
    Im Gegensatz sind mit keine negativen Aspekte dieser Entwicklung bekannt.

Welchen Grund hätte ich also kulturelle Entwicklungen dieser Art aufzuhalten?

„Ich suff des Tabaks zu viel.“

Einen Satz wie diesen sage ich ausgesprochen selten und doch klang er zu Zeiten Goethes völlig normal.

Eine Entwicklung der Sprache ist etwas ganz normales und nötiges.

Egal ob wir jetzt über Sprachpurismen, Sprache die keine Geschlechter diskriminiert oder den Genitiv sprechen, bleibt es für mich schwierig nachzuvollziehen wo diese angestrebte Reinform liegen sollte und solang es keinen Nachweis für eine Reinform gibt, auch indiskutabel.

Die Balance zwischen dem Bewahren des Alten und dem Öffnen gegenüber Neuem:

Auch hier, kann ich die Frage zur Balance zwischen den Bestrebungen nicht beantworten.

Natürlich ist es auf der einen Seite nötig eine halbwegs genormte Sprache zu haben, um eine Verständigung möglich zu machen, auf der anderen Seite behindern diese Normen natürlich auch eine natürliche Sprachentwicklung und vergrößern stetig die Entfernung zwischen gesprochener und Hochsprache.

Was mir bleibt, ist festzustellen, dass es eine reine Kultur nach diesen Gedanken nicht geben kann und Theorien dieser Art häufig von sehr fundamentalistischen Strömungen, zur Bekämpfung ungewollter Modernisierungen eines Teils einiger Ideologien, instrumentalisiert wird.

Das gefährliche Missverständnis der Bibel- und Koraninterpretation

Schon häufig spielte ich darauf an, dass es im Islam keine einzig wahre Lehrmeinung gibt. Wie ist das gemeint?

Betrachten wir zunächst die uns wahrscheinlich bekanntere christliche Kirche. Hier ist uns eine weite Pluralität aus verschiedenen Konfessionen und Riten bekannt. Wichtig für all diese Konfessionen ist, dass es an oberster Stelle eine Institution gibt, die am Ende sagt, wie die geleiteten Bahnen aussehen.
Man könnte sagen, wir haben heute eine Situation wie mit den Grundrechten. Es gibt auch in den Kirchen einen Meinungspluralismus, doch diese Meinung ist beschränkt auf einen bestimmten Rahmen, der von einer Institution vorgegeben wird.
Das ist auf der einen Seite ein praktisches Werkzeug, weil bestimmte menschenverachtende Meinungen ausgeschlossen werden können. Wenn nun also eine rückwärtsgewandte Bruderschaft, wie die Priesterbruderschaft St. Pius X., der Meinung ist, sie möchten die Bibel und die katholische Tradition in einer sehr konservativen, speziellen Weise auslegen, hat die katholische Kirche die Option zu sagen: „Die gehören nicht mehr zu uns./ Das entspricht nicht unseren Ansichten./ Sie sind offiziell nicht mehr katholisch.“ Schön.
Auf der anderen Seite hat es den Nachteil, dass die Anpassung an die moderne Realität zwangsweise eine gewisse Zeit braucht, um im gelebten christlichen Glauben ankommen zu können. Wenn jetzt zum Beispiel ein Martin Luther sagt, dass ihm der Ablasshandel im Sinne der Nächstenliebe nicht so gefällt, dauert es um die 30 Jahre, bis die katholische Kirche im Konzil von Trient darauf reagieren kann.
Das ist leider ein sehr altes und überspitztes Beispiel, doch wohl den meisten Lesenden hier bekannt.

Mein Dozent für christliche Sozialethik sagte einmal treffend im Wortlaut:
„Die Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen bemerken ein Problem mit ca. 10- 15 Monaten Verzögerung. Die Wissenschaft erreicht das Problem mit ein paar Jahren Verzögerung. In der Lokalpolitik sollte man mit einer Verzögerung von ca. 10- 15 Jahren rechnen. Die Kirche bekommt dann noch danach etwas davon mit.“
Diese Formulierung trifft es, wie ich finde, sehr treffend. Ein Beispiel dafür wäre zum Beispiel die Wahrnehmung von Sexualität, während für die Mehrheit der Menschen in Deutschland die Pluralität von Geschlechtern wahrscheinlich schon gelebt und selten hinterfragt wird (vereinzelte, sehr konservative Minderheiten ausgenommen), wurde sie von der Wissenschaft gerade erst nachgewiesen. In der Politik denkt man so langsam darüber nach, wie man den Alltag an diese wissenschaftliche Erkenntnis anpassen könne. Die Kirche eiert noch irgendwo bei dem Thema Homosexualität herum, was für die Menschen zu Beginn der Kette wahrscheinlich mehrheitlich überhaupt kein Problem mehr darstellt.
Diese Erkenntnis hat seine Vor- und seine Nachteile, muss aber in jedem Fall hingenommen werden.

Wichtig ist, dass in den christlichen Kirchen jede Obrigkeit nur für sich selbst und nicht für die gesamte Christenheit spricht. Natürlich kann auch jemand Christ*in sein, der oder die nicht im Sinne irgendeiner der Institutionen,aber trotzdem an die christliche Religion glaubt.

Im folgenden werde ich einige Situationen aus der katholischen Kirche erläutern.

In der Auslegung der Bibel, duldet die Katholische Kirche weniger Spielraum. Sie veröffentlichte im Zuge des Vaticanum II das „Dei verbum“, welches wahrscheinlich mindestens jedem gläubigen Katholiken oder jeder gläubigen Katholikin bekannt sein sollte.
Hier wird für jedem oder jeder Gläubige*n genau formuliert, wie die Heilige Schrift interpretiert werden sollte.
Sogar die Bibelübersetzung legt die Katholische Kirche für eine kanonische¹ Interpretation fest. Als letzte Instanz gilt die Vulgata für theologische Arbeiten, auch wenn sich hier die Institution der Katholischen Kirche in den letzten Jahren sehr radikal auch der Arbeit mit anderen historischen Quellen des Textes öffnet.


Ganz anders sieht die Situation im Islam aus.
Es gibt keine obere Instanz, die eine Richtschnur vorgibt. Es gibt kein kodifiziertes Recht, wie den Codex. Nein, es geht sogar so weit, dass unser Turkologie- Dozent immer wieder beteuert, dass ein kodifiziertes Recht niemals islamisches Recht sein kann.
Es gibt eine Vielzahl von Rechtsurteilen, die sich an in der zeitgemäßen Auslegung von Koran und Sunna richten und die weit gefasst die Šarīʿa bezeichnet werden könnten. Bei einem Rechtsurteil muss je nach Schule diese ganze Tradition durchdacht oder streng mitgedacht und in die aktuelle Zeit ausgelegt werden.

Diese Rechtsurteile beziehen sich jedoch immer nur auf einen bestimmten Adressat*innenkreis und auf eine bestimmte Zeit und sind nicht allgemeingültig.

Wichtig ist, dass es anders als im Christentum keine Institution gibt, die allgemeingültige Interpretationen oder Lebensweisen des Islam vorgibt oder für kanonisch erklärt.

Dieser Meinungspluralismus betrifft auch grundlegende Bereiche wie den Koran selbst oder die Aḥādīṯ.

Vom Koran sind in der sunnitischen Tradition von den islamischen Gelehrt*innen allein sieben verschiedene Lesarten anerkannt. Diese verschiedenen Lesarten betreffen vor allem die Vokalisation (in semitischen Sprachen (Bsp: Arabisch, Hebräisch) werden Vokale nicht geschrieben, sie wurden sowohl im ersten Testament, als auch für den Koran erst im Nachhinein in Form von Hilfszeichen hinzugefügt, wodurch sich Wortbedeutungen ändern können) der Texte und sind in der Deutung vollkommen gleichwertig.
Eine andere Situation betrifft die Aḥādīṯ, hier haben sich unterschiedliche Traditionen, diese Quellen wahrzunehmen, herausgebildet. Einige Deutungsmöglichkeiten entscheiden sich für Quali- andere für Quantität der Quellen.

Auch die Auslegung dieser Quellen ist nicht festgelegt, hier können wir von außen nur über Mehrheiten in der Praxis und Stellung der Autor*innen in der islamischen Welt auf die gelebte Religion rückschließen. Eine wörtliche Auslegung, die zwar eine Interpretation in die heutige Zeit unmöglich macht, ist genauso möglich, wie die von der Mehrheit eher anerkanntere Überlegung einer Interpretation des Wortes Gottes für eine bestimmte Zeit.

Dieser weite Pluralismus ist auf der einen Seite positiv zu bewerten, da der Glaube sich viel eher an der gelebten Religion orientieren kann. Eine Reformation wie die von Herrn Luther ist hier nicht nötig, wenn einem oder einer Gläubigen ein Misstand auffällt, kann er oder sie die Änderung einfach selbst leben und muss dafür nicht dringend den Schritt über die Wissenschaft oder die Obrigkeit gehen (um eine größere Gruppe von diesem Ändern zu überzeugen, kann es dennoch von Vorteil sein). Zumindest in der Theorie, dass hier ab und zu auch gesellschaftliche Zwänge in den Weg kommen sei für die Theorie dahingestellt, denn hier kommen wir auch schon zu dem negativen Aspekt.
Wenn es jetzt radikale konservative Gruppen oder Gelehrte gibt, gibt es anders als in der katholische Kirche im Islam keine Option sie als nicht Islamisch zu bezeichnen oder sie auszuschließen. Zwar kann ein Gelehrter oder eine Gelehrte einen Rechtsspruch, ein Fatwā, aussprechen, doch gilt dies natürlich wieder nur für einen bestimmten Adressat*innenkreis und ist schwer durchzusetzen, wenn sie nicht mit staatlichen Gesetzen übereinstimmt. Wie bei vielen religiösen Gesetzen ist auch hier die Wirkung abhängig vom Verhältnis zwischen Autor*in und Adressat*in. Wenn der oder die Adressat*in nicht an die Autorität der oder des Urteilenden glaubt, ist ein solcher Rechtsspruch schnell nicht mehr, als ein Blatt Papier.

Eine dem Christentum ähnliche Praxis des Folgens einer bestimmten Lehrmeinung gibt es im Islam auch, sie nennt sich Taqlid. Auch diese Praxis hat Vor- und Nachteile.

Sowohl die negativen als auch die positiven Aspekte des uneingeschränkten Pluralismus gehören zum Islam.


Festzuhalten bleibt die institutionelle Manifestation der Religionen sind sehr unterschiedlich.
Beide Wege haben Vor- und Nachteile. Sicherlich liegt uns der eine Weg, wegen seiner großen kulturellen Ähnlichkeit etwas näher als der andere, doch von allgemein besser oder allgemein schlechter zu sprechen, ist eher subjektiv.

Eine wörtliche Auslegung beziehungsweise eine Auslegung ohne historische Kontextualisierung der Schriften ist in beiden Religionen eher eine radikale Minderheitenmeinung.


¹ Interpretationen im Sinne der katholischen Kirche werden als kanonisch ( latein. canon „Norm, Regel“) bezeichnet.
Das sich daraus ableitende Gesetzbuch ist der Codex Iuris Canonici (kurz CIC oder nur Codex).

Eine Gefahr des Glaubens?

Ich selbst bezeichne mich als einen atheistischen Agnostiker.
Atheist, weil ich nicht an einen Gott glauben kann. Ich kann es mir einfach in meinem Kopf und meinem Herzen nicht vorstellen.
Agnostiker, weil ich denke, dass sich dieser: mein Glaube an den Atheismus, niemals beweisen lassen wird und dass es daher ebenso rational vernünftig ist, jeden anderen Glauben anzunehmen.


Beginnen wir diese Ausführung mit einer Anekdote.
Mein Professor für Islamwissenschaft und Arabistik hat einmal mit einem Biologen gemeinsam historische Beschreibungen und Geschichten von Tieren ausgewertet.
Der Arabist war für die Textarbeit und der Biologe für die Auswertung des zoologischen Wahrheitsgehaltes zuständig.
Der Biologe konnte dafür nur auf bekanntes paläontologisches Wissen zurückgreifen und beiden war bewusst, dass es sich um über viele Jahre überlieferte, das heißt wahrscheinlich veränderte, Texte handelt.

Mir sind drei dieser Geschichten bekannt.

  • Die Geschichte des Riesenvogels ‚ar-ruḫḫ‘. Ein Riesenvogel, der so groß gewesen sein soll, dass  sich Schiffbrüchige heimlich an seinem Körper festbinden konnten und er sie problemlos und ohne die Männer zu bemerken, auf eine weit entfernte Insel gebracht haben soll
  • Die Geschichte über riesige Fische, die auftauchten um Schiffe umzustoßen. Eines Tages fand man einen dieser Fische gestrandet an Land. Dieses Exemplar soll so groß gewesen sein, dass ein Mensch auf einem Pferd in sein Maul hineinreiten konnte.
  • Die Geschichte, in der ein Mann eine Liebesbeziehung mit einer Äffin einging, diese schwängerte und sie daraufhin lebende Junge: halb Tier, halb Mensch, zur Welt brachte.

mā šāʾ Allāh!“   

All diese Geschichten klingen für uns unglaublich, dennoch haben alle mindestens einen philosophischen Wahrheitsgehalt.

Ist der Riesenvogel ‚ar-ruḫḫ‘ eine Erinnerung an den ausgestorbenen Elefantenvogel?
Gab es vielleicht wirklich einen fliegenden Riesenvogel, der Menschen in die Luft heben konnte, von dem wir bis jetzt keine Überreste fanden?

Ist die Geschichte von den Fischen eine realistische Beschreibung von Walen, bei denen das Auftauchen in der Nähe von Schiffen als Angriff interpretiert wurde?

Gab es tatsächlich Affenmenschen? Oder lesen wir hier eine frühe philosophische Betrachtung der Frage, was den Menschen eigentlich vom Tier unterscheidet und ob wir uns nicht doch näher sind, als wir manchmal glauben?

Antworten auf diese Fragen, werden wir ohne paläontologische Funde niemals erfahren.

Die Geschichten wirken auf uns im ersten Moment alle phantastisch und doch könnten sie alle einen wahren Kern haben oder vielleicht doch, vor allem wenn wir die Geschichte von den Riesenfischen betrachten, komplett der Wahrheit entsprechen.


Sinnlos wäre es sicherlich anzunehmen, dass die oben genannten Geschichten alle genau so, wie sie aufgeschrieben wurden, wahr sind.
Ebenso engstirnig wäre es wohl auch anzunehmen, dass diese Geschichten komplett ausgedacht sind, einen wahren Kern für unmöglich zu erachten und eine Auseinandersetzung mit diesen Texten für irrational oder sogar dumm zu halten.
So befinden wir uns schon mitten im Kampf des religiösen Fanatismus des 21. Jahrhundert.

Auf der einen Seite die religiösen Fanatiker*innen, die Zeugnisse einer Existenz Gottes wörtlich nehmen wollen und die wissenschaftliche theologische, historische und philologische Forschung ausblenden wollen.

Auf der anderen Seite fanatische Atheisten*innen, die Zeugnisse unkritisch zu ignorieren versuchen und ihre Deutung der Schriften auch allen anderen versuchen aufzudrängen.

Nach den Anschlägen in Paris, kann man zwei Meinungen ziemlich weit verbreitet sehen.
Auf der einen Seite, die die Solche Taten nur dem Islam zuschreiben. Dabei vergessen sie natürlich eine lange Tradition der Kreuzzüge, der Hexenverbrennung oder der Inquisition, allerdings finde ich diese Gruppe heute nicht so spannend.

Spannender finde ich die Gruppe, die solche Taten im allgemeinen dem Glauben an einen Gott zuschreiben.

Dafür sollten wir im ersten Moment darüber nachdenken, ob im Namen des Atheismus noch nie getötet wurde, wahrscheinlich denken wir sofort an Iosif Vissarionovič Stalin und den atheistischen Kommunismus.
Dieser Hass auf einen Gottesglauben führte zu einer der größten Vernichtungswellen von Gläubigen in der Geschichte der Menschheit.
Vielleicht denken wir auch an Mustafa Kemal Attatürk, der während seiner wahnhaften Säkularisierungsbestrebungen, neben Gotteshäusern, auch den einen oder anderen Menschen verbrannte.

Und zuletzt denken wir vielleicht auch an Adolf Hitler, der zwar auch mit der katholischen Kirche zusammenarbeitete und mit dem Islam anbändelte, dennoch von einer Vielzahl der Historiker*innen in einem Kontext des Atheismus gedeutet wird und dessen menschenverachtenden Ideologien auch offensichtlich keine religiöse Motivation zugrunde liegt.

Wir können also feststellen, dass es kein rein religiöses Problem ist.
Was all diese Vernichtungswellen gemein haben, ist eine Ideologie, die hinter ihr steht. Sei es eine Christliche, eine Muslimische, eine Kommunistische, eine Atheistische, Nationalistische oder vielleicht sogar eine Demokratische.

Jeder Glaube kann fanatische Züge annehmen, dafür bedarf es nicht den Glauben an einen Gott.

Jedoch habe ich das Gefühl, dass kein unbeweisbarer Glaube zur Zeit so verbreitet und in so einer fanatischen, radikalen Form salonfähig ist, wie der Atheismus.

Wobei wir noch einmal bedenken müssen, dass der Atheismus auch nur ein Glaube an einen nicht beweisbaren Zustand ist. Also müssen wir annehmen, dass jedes atheistisches Statement, auch nur ein ideologisches, ja fast religiöses Statement ist, nur für eine andere Ideologie oder Religion.

Wichtig ist bei jeder Ideologie nur immer wieder, dass man sie permanent hinterfragt. In der katholischen Theologie tun wir das ständig. Auch die islamischen und jüdischen Ideologien hinterfragen sich in der theologischen Wissenschaft jederzeit selbst.
In dem Bereich sieht es beim Atheismus im allgemeinen eher schwach besetzt aus oder wann hast du dich das letzte mal gefragt, was eigentlich vernünftig gegen die Existenz einer höheren Macht oder eines Gottes spricht?


Guter Islam, böser Islamismus?

Wo wir gerade so über Religionen und Ideologien sprechen, was ist denn nun eigentlich der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen.

Der Islam beschreibt die Auffassung nach der sich der Abrahamitische Gott, durch den Kontakt zum Propheten Muḥammad, offenbart haben soll. In dieser Religion, die sich im Gegensatz zu den meisten anderen Religionen nicht in einer Institution manifestiert, gibt es selbstverständlich auch von jedem oder jeder einzelnen Gläubigen verschiedene Wertungen von Interpretationen, Praktiken oder historischen Gelehrten des Islam.
Der Islam kann sehr demokratisch in unsere Zeit und Gesellschaft gedacht werden oder sehr konservativ, heute würde man unter Umständen vielleicht sogar ’salafistisch‘ sagen, interpretiert werden. Auch der Islam kann also mehr oder minder radikal ausgelebt werden.
Ein radikal islamischer Staatsführer oder eine radikal islamische Staatsführerin wird zum Beispiel kein Islamist oder keine Islamistin sein, da die islamistische Staatsordnung ein islamisches Reich mit Gelehrten des Islam als Regierenden voraussetzen würde.
Die Ideologie eines Nationalstaats, passt in diesem Fall nicht zur Ideologie des Islamismus

Der Islamismus hingegen beschreibt die politische Ideologie, die aus den angenommenen Überlieferungen von Allāh entnommen wird. Auch Diese muss nicht unbedingt einem Menschen oder einem anderen Lebewesen unnötig schaden, allerdings stehen viele der herausgenommenen Regeln im Widerspruch zu unserem Glauben, der Demokratie.
Eine Obrigkeit, die sich aus Gelehrten des Islam zusammensetzt? Eine Gesetzgebung, die sich an modernen Interpretationen einer überlieferten Moralvorstellung eines allmächtigen Schöpfers orientiert?

Für mich unvorstellbar, doch für eine Gesellschaft, in der mindestens 95% genauso vernünftig an den Islam glaubt, wie ich an den Atheismus, wäre eine islamistische Gesellschaftsordnung, in der kein Mensch und keinem anderen Lebewesen ohne vernünftigen Grund Schaden zugefügt wird und Minderheitengruppen toleriert werden, eine sinnvolle Perspektive. Vielleicht vernünftiger als eine aufgedrückte und in einigen Gesellschaften ungewollte Demokratie.

Das diese islamischen, toleranten Gesellschaftsordnungen möglich sind, zeigt uns die Historie.
In einigen Punkten vielleicht sogar toleranter und pluralistischer, als unsere Gesellschaft heute.

Was wir sehen können ist, dass es sowohl einen radikalen Islam, als auch einen gemäßigten Islamismus gibt.
Diese Begrifflichkeiten werden häufig verwechselt und sind in den meisten Fällen auch nicht klar voneinander zu trennen.


Zum Glück überwiegen in fast allen angesprochenen Ideologien, die gemäßigten Kräfte und Fanatiker sind meist nur eine Randerscheinung.

Hoffen wir, dass diese weltweite, fanatische Akzeptanz nur einer Ideologie für alle Gesellschaften, sei es Atheismus, Christentum, Islam, Demokratie, Sozialismus, Marktgläubigkeit oder Islamismus immer weiter zurückgeht und wir endlich lernen, andere Gesellschaften so zu akzeptieren, wie sie sind oder ohne Radikalisierung durch Bekehrungsversuche sein könnten.
In šā’a llāh.